Wichtig ist, dass die Kinder Spaß haben!

Ernst Miller, der Trainer der Langlauftruppen, über Fairness und Kameradschaft
im Freien

Sport-Talent, der Förderverein Talentzentrum Wintersport Berchtesgaden e.V., hat es sich zur Aufgabe gemacht, jungen Menschen optimale Trainingsmöglichkeiten in allen Bereichen des Wintersports zu ermöglichen. Ziel ist vor allem, Kinder und Jugendliche für den Sport zu begeistern und damit eine breite Basis aufzustellen. Herausragende Talente werden auf dem Weg zum Spitzensport unterstützt und begleitet. Der Anzeiger stellt in einer Serie die verschiedenen Sportarten, ihre Trainer und die Arbeit mit dem Nachwuchs vor.

Diese Woche: Langlauf
Aktuell gibt es drei Langlauf-Trainingsgruppen des Fördervereins, im Gespräch: Ernst Miller, Leiter Langlauftraining

Kennst dich mit Langlauf aus: Trainingsleiter Ernst Miller

Kennst sich mit Langlauf aus: Trainingsleiter Ernst Miller

„Wichtig ist, dass die Kinder Spaß haben“

Seit wann engagieren Sie sich als Trainer für Langlauf?Langlaufen hat mich mein Leben lang begleitet. Ich war neben meinem Beruf als Hotelier als Amateursportler auf Wettkämpfen unterwegs, bin jahrelang vorne mitgelaufen und wurde 1986 Seniorenweltmeister. Vor ein paar Jahren kam dann meine Enkelin Anna auf mich zu und wollte Langlaufen lernen. Aus dieser Einzelstunde wurde dann nach und nach eine Trainingsgruppe, die Helmut Weinbuch als ehemaliger Vorsitzender des Fördervereins aufgebaut hat. Vor zwei Jahren hat mich Sigrid Wille, die das Langlauftraining bei „Sport-Talent“ koordiniert und inzwischen für den bayerischen Skiverband tätig ist, gebeten, die Leitung des Langlauftrainings zu übernehmen.

Wie viele Kinder und Jugendliche trainieren in den Langlaufgruppen?
Wir haben drei Trainingsgruppen. Die Gruppe I, hauptsächlich Kinder der Jahrgänge 2001 bis 1999, wird von mir betreut und besteht im Wesentlichen aus den Kindern, die auch in der Gaumannschaft des SV-Chiemgau sind. Dieses System ist aber nicht starr, sondern bei entsprechenden Leistungen durchaus durchlässig für Kinder aus jüngeren Jahrgängen. So trainieren Jüngere aufgrund ihrer Leistungen auch schon häufiger in dieser Trainingsgruppe. Die Gruppen II und III werden von Alfred Burgstaller, Marcel Puchinger und Mathias Robl trainiert. Dies sind die Jahrgänge 2007 bis 2002. Hier wechseln sich die Trainer innerhalb der Trainingsgruppe ab, so dass jeder Trainer in den verschiedenen Trainingsgruppen aktiv ist. Auch hier ist es möglich, dass jüngere Kinder bestimmte Trainingseinheiten je nach Leistungstand bei den älteren Kindern mitmachen. Das gilt aber auch umgekehrt. Insgesamt betreuen wir etwa 40 Kinder bzw. Jugendliche. Unser Training findet, je nach Altersgruppe, zwei bis dreimal pro Woche (Montag, Mittwoch und Freitag in Gruppe I) statt.

Wie und wo wird denn trainiert? Wie oft fahren die Kinder zu Wettkämpfen?
Wir trainieren Sprint, Technik, Ausdauer und Schnelligkeit, meist im Langlaufzentrum Aschauerweiher oder auf den Loipen Scharitzkehl. Die Kinder nehmen überwiegend an regionalen Wettkämpfen im Chiemgau teil. Das sind ca. acht Rennen, u. a. auch die Sparkassen-Langlauftournee, die jährlich einen Stopp bei uns hat (Aschauerweiher /Scharitzkehl). Hier gibt es bei den Kleinsten bis neun Jahre nur Sieger, denn alle laufen in spielerischer Form einen Technikparcours ohne Zeitnahme. Die älteren Jungs und Mädels starten darüber hinaus auch bei der Bayerischen Meisterschaft. Die besten 13 bis 15-jährigen dürfen zusätzlich an drei Wochenenden zum Deutschen Schülercup reisen. Im Sommer trainieren die Kinder mit den Sportlern der anderen Wintersport-Sparten Leichtathletik, außerdem machen wir Bergtouren oder üben mit Skirollern.

Sie haben mit drei Trainingsgruppen kein Nachwuchsproblem – was begeistert die Kinder denn am Langlaufen?

Wichtig ist, dass die Kinder Spaß beim Sport haben. Wir trainieren in der Gruppe, sind immer draußen, lernen Kameradschaft und Fairness. Neben der Technik des Skatens und des klassischen Stils, der schwieriger und komplexer ist, trainieren wir auch Geschicklichkeit, das kann z.B. laufen mit einem Ski oder nur einem Stock sein. Ab und zu absolvieren wir auch ein Abfahrtstraining auf Langlaufski am Götschen. Langlaufen ist ein sehr gesundes Ganzkörpertraining und es gibt so gut wie nie Verletzungen. Wir fordern die Kinder aber auch, das Beste aus sich rauszuholen und an ihre Grenzen zu gehen. Dabei habe ich schon oft erlebt, dass sich mit dem Sport auch die schulischen Leistungen verbessern.

Was braucht man zum Langlaufen? Mit welchem Alter kann man einsteigen?
Mit etwa sechs Jahren kann man anfangen, aber natürlich auch jederzeit später. Erfahrungsgemäß tun sich Kinder leichter, die Schlittschuhlaufen können oder schon auf Alpin-Ski standen. Fürs Training braucht man eigene Langlaufrüstung und geeignete Kleidung. Im Laufe der Zeit lernen die Kinder bei mir auch die verschiedenen Techniken des Wachsens – ein wesentlicher Bestandteil des Langlaufens. Ich habe mich viel damit beschäftigt und kann auch dementsprechend viel weitergeben. Die Unterstützung der Eltern ist auch ganz wichtig, sie helfen den Kindern bei der Reinigung und der Grundpräparation der Ski. Es werden auch regelmäßig Wachskurse angeboten.

Wie schaut es mit den Talenten aus?

Wir haben Kinder dabei, die sehr ansprechende Leistung zeigen. Anna Lena Braun, Alexander Brandner, Seppi Pfnür, Sebastian Kistenmacher, Laura Schmitt, Simona Glassner, Reini Frick und Franziska Pfnür (inzwischen bei den Biathleten) haben sich toll entwickelt. Wichtig ist uns aber der Spaß am Sport – wenn dann vielleicht ein oder eine sehr leistungsstarke Schüler /in Erfolge hat, freut uns, diese Jugendlichen einmal trainiert und die Grundlagen beigebracht zu haben.

Für welche Sportarten ist Langlaufen die Basis?
Langlaufen in beiden Techniken ist die Grundlage für Biathlon. Die Nordischen Kombinierer trainieren nicht bei uns, da man für die Kombination nur das Skaten braucht. Wer möchte, kann jederzeit beim Training vorbeischauen, und auch Ski zum Testen ausleihen.

Die Langlauf-Trainingsgruppe von Ernst Miller.

Die Langlauf-Trainingsgruppe von Ernst Miller.

Pressemitteilung
Erschienen am 12. März 2014 im Berchtesgadener Anzeiger
Isabel Stöckl